PNP 13.01.18: "Mit 70 fängt das Leben erst an!"

Veröffentlicht am 15.01.2018 in Ortsverein

Altbürgermeister Horst Krebes singt allwöchentlich bei "Toerringhof"-Senioren – Gesprächsrunde über aktuelle Themen

Vom Böhmerwald über Madagaskar bis zur "Marina": Ein breites Repertoire bekannter Schlager bringt Altbürgermeister Horst Krebes bei seinen Auftritten im "Toerringhof" zu Gehör.
Vom Böhmerwald über Madagaskar bis zur "Marina": Ein breites Repertoire bekannter Schlager bringt Altbürgermeister Horst Krebes bei seinen Auftritten im "Toerringhof" zu Gehör.
Als "Schunkelhilfe" im Einsatz: Betreuerin Brigitta Bleckmann mit zwei Toerringhof-Bewohnern während Horst Krebes’ Darbietung. − Fotos: mv
Als "Schunkelhilfe" im Einsatz: Betreuerin Brigitta Bleckmann mit zwei Toerringhof-Bewohnern während Horst Krebes’ Darbietung. − Fotos: mv

Töging. "Mei Stimm’ macht nimmer so mit wia damals als ich noch im Chor gsunga hab‘", bedauert die 90-jährige Edeltraud Speckbacher – "aber es macht mir trotzdem Spaß!" Und deshalb ist sie immer am Mittwochnachmittag eifrig dabei, wenn Altbürgermeister Horst Krebes im Seniorenheim "Toerringhof" mit seiner Gitarre aufkreuzt und zum gemeinsamen Singen einlädt.

Meist pilgern gut 30 Seniorinnen und Senioren in Richtung Aufenthaltsraum, wenn es am Mittwoch um 15.30 Uhr wieder so weit ist. Viele von ihnen kommen in Begleitung von Angehörigen, haken sich bei einer Betreuerin unter, werden im Rollstuhl hingeschoben oder nehmen ihren "Mercedes", den Rollator, zu Hilfe. Versäumen möchten sie diese Singstunde auf gar keinen Fall, denn sie bedeutet eine willkommene Abwechslung im oft manchmal öden Heimalltag.

"Auch ein Witzchen muss dazwischen immer sein"Und außerdem lösen gemeinsam gesungene Schlager oft auch schöne Erinnerungen aus. Nicht wenige von ihnen kennen den "Toerringhof" noch aus der Zeit, als er glanzvolle Zeiten als Hotel, Restaurant und Tanzlokal erlebte. "Sie haben da getanzt, vielleicht geschmust und sich womöglich zum ersten Mal geküsst, vielleicht ihren späteren Partner oder die Partnerin fürs Leben kennen gelernt", lässt Horst Krebes zwischen zwei Schlagern einfließen. Resultat im Publikum sind dann oft leuchtende Augen, ein Lächeln auf den Lippen und ein herzhaftes Lachen, wenn der Altbürgermeister dazu eine Schmonzette liefert. Etwa, wenn er von seiner dreijährigen Enkeltochter erzählt. "Opa schau weg, die küssen sich", habe die Kleine ihn neulich aufgefordert, als im Fernsehen gerade eine entsprechende Szene lief.

"Auch ein Witzchen muss dazwischen immer sein", ist die Erfahrung aus den letzten sechs Monaten, in denen er regelmäßig mit den Heimbewohnern alte Volkslieder und Schlager singt. Da dichtet er auch manchen Schlagertext um, etwa in "Mit 70 fängt das Leben erst an" statt im Originaltext, wo das Leben mit 17 anfängt. Oder dass er den älteren Menschen beim Ohrwurm "Rote Lippen soll man küssen" wissen lässt, dass auch er selbst immer noch gerne küsst. "Natürlich nur daheim und die eigene Frau", wie er dann treuherzig versichert.

Nicht selten passiert es, dass dem einen oder anderen Tränen über die Wangen rinnen, vor allem, wenn über Heimweh gesungen wird, Lieder vom Böhmerwald oder "Seemann lass das Träumen" erklingen. Lustig geht es zu und geschunkelt wird, wenn über das Zigeunerleben oder "Wir lagen vor Madagaskar" gesungen wird. Betreuerin Brigitta Bleckmann hat dann als "Schunkelhilfe" buchstäblich keine Hand mehr frei. Voll dabei sind die Seniorinnen und Senioren, wenn "Marina" angestimmt wird. Da kann es schon passieren, dass ein alter Mensch, der Tage geschwiegen hat, plötzlich wieder ein Wort hervorbringt, eben: Marina.

"Gläserner Mensch" oder Scheidungen als Thema"Das begeistert mich", sagt der Altbürgermeister. "Diese Stunden am Mittwochnachmittag geben mir überhaupt sehr viel", so Horst Krebes, der seit zwei Jahren auch einen Gesprächskreis leitet. Dazu treffen sich interessierte Heimbewohner ebenfalls am Mittwoch, aber bereits um 14 Uhr im "Wintergarten" des Toerringhofes. "Wir reden darüber, was sich momentan so in der Welt abspielt", berichtet er. Diesen Mittwoch war es der zunehmend "gläsern" werdende Mensch. Es entspann sich eine lebhafte Diskussion. "Ja, wenn es der Aufklärung von Verbrechen diene, sei es okay, aber keinesfalls, "wenn zu sehr die Privatsphäre betroffen ist." Auch die zunehmende Zahl an Ehescheidungen, ausgelöst durch die entsprechende Schlagzeile in der Zeitung, war ein Thema.

Um das Ganze dann wieder in eine positive Richtung zu lenken, lässt der frühere Töginger Bürgermeister (1996-2014) einfließen, was er alles in seiner Funktion als Standesbeamter bei Trauungen erlebt hat.

Wenn sich der Altbürgermeister dann am späten Nachmittag aus dem Seniorenheim verabschiedet, fragt er meist noch in die Runde: "Soll ich nächste Woche wieder kommen?" Begeistert rufen dann alle "Ja!" und applaudieren ihm dankbar. Horst Krebes macht sich dann, bepackt mit seiner Gitarre und einem Stapel an Noten auf den Heimweg. "Wieder einmal mit einem sehr guten Gefühl", sagt er.
- M.Vogl-Reichenspurner

 

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